Tagestipps im Radio

Tagestipps

Freitag 18:00 Uhr Bremen Zwei

Gesprächszeit: Günther Wallraff

Enthüllungsjournalist Günter Wallraff wird 80 Jahre alt. Einmal so alt zu sein, konnte er sich lange nicht vorstellen. In seinen 50 Berufsjahren ist er in Dutzende Rollen geschlüpft, um soziale Missstände aufzudecken. Unter anderem als Mitarbeiter eines Callcenters oder als Paketbote. Als "Hans Esser" gelang es ihm einst, sich bei der Bild-Zeitung einzuschleusen.

Freitag 20:00 Uhr rbb Kultur

Jazz Berlin

Moderation: Holger Zimmer Das Tingvall Trio in Potsdam Der schwedische Pianist Martin Tingvall hat 2003 eines der erfolgreichsten Jazztrios unserer Zeit gegründet: Das Tingvall Trio. Mit ihm gemeinsam spielen Omar Rodriguez Calvo aus Kuba und Jürgen Spiegel aus Deutschland. Ihr Stil kann als melodiös und tanzbar beschrieben werden. Im Nikolaisaal Potsdam hat das Trio sein aktuelles Album "Dance" vorgestellt und Martin Tingvall hat mit seinem schwedisch gefärbten Deutsch das Publikum um den kleinen Finger gewickelt. Aufnahme vom 23. April 2022 aus dem Potsdamer Nikolaisaal.

Freitag 20:00 Uhr SRF 2 Kultur

Passage

Propagandaschlacht um Mariupol Die Stadt Mariupol steht für den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Während der ukrainische Präsident sie «Herz des Krieges» nennt, versucht die russische Propaganda, die Ukraine für das Leid der Bevölkerung verantwortlich zu machen.

Freitag 20:03 Uhr SRF 1

Hörspiel

2/3 SRF-Radiokrimi/Surround: «Im Tal der Gebeine» von Alfred Bodenheimer Zum dritten Mal ermittelt der Zürcher Rabbiner Gabriel Klein in einem SRF-Radiokrimi. Dieses Mal wird sein detektivisches Gespür ganz besonders auf die Probe gestellt. Denn dieser Fall betrifft ihn sehr persönlich. Wie ist seine liebste Verwandte, eine Holocaust-Überlebende, zu Tode gekommen?

Freitag 20:05 Uhr Deutschlandfunk

Das Feature

Macht, Lügen und Geheimnisse Frankreichs Starautorin Leila Slimani Von Simone Hamm Regie: Günther Maurer Produktion: SWR/Deutschlandfunk 2022 Leila Slimani interessiert sich für die düsteren Seiten der Menschen. Ihre Romane sind schockierend, ihre Frauenfiguren sperrig. Sie schreibt über ihre in Marokko lebende Großmutter und deren hartes Leben, über eine Pariser Kindsmörderin, über eine Sexsüchtige. Leila Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Sie wurde 1981 in Rabat/Marokko geboren, kam 1999 nach Paris. Ihre Stimme will sie den einfachen Frauen geben, denen, deren Geschichten sonst nie erzählt würden. Etwa ihrer französischen Großmutter, die als junge Frau der Liebe wegen mit einem marokkanischen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Marokko ging. Dem mordenden Kindermädchen in der liberalen Pariser Familie oder der sexsüchtigen Arztfrau. Sie interessiert sich für die düsteren, die obskuren Seiten der Menschen, die Abgründe. Ihre Romane sind spannend und schockierend. In Paris ist ein regelrechter Hype um sie entstanden. Die 41-jährige Autorin ist nach Lissabon gezogen, um an ihrer Familientrilogie zu schreiben. Deren zweiter Band "Schaut, wie wir tanzen" ist gerade auf Deutsch erschienen. Unsere Autorin hat sie in Lissabon besucht. Macht, Lügen und Geheimnisse

Freitag 21:05 Uhr Deutschlandfunk

On Stage

History Trombone Shorty Orleans Avenue Aufnahme vom 3.12.2011 im Gloria, Köln Am Mikrofon: Tim Schauen Eigentlich heißt er Troy Andrews, aber wegen seines bevorzugten Instruments und seiner nicht übermäßig beeindruckenden Körpergröße nennt er sich selbst Trombone Shorty. Man sollte sich vom humorvoll gemeinten Bühnennamen nicht täuschen lassen - der Posaunist aus New Orleans ist ein Kraftpaket, ein Energiebündel. Andrews spielt sein Instrument mit beeindruckender Dynamik, er hätte seinerzeit sicherlich auch in Jericho mitmachen dürfen. Um sich versammelt hat er eine Band aus überwiegend jungen Musikern, mit denen er eine fesselnde Show aus Funk, Soul, Jazz und Pop spielt - ganz in der Tradition der Brass Bands seiner Heimatstadt. Sein Vorbild ist übrigens der berühmteste Musiker aus New Orleans: Louis Armstrong. Deshalb greift er auch hin und wieder zur Trompete.

Freitag 21:05 Uhr Bayern 2

Hörspiel

O wie Osten Schneeweiß und Russenrot Szenen aus dem polnisch-russischen Krieg unter weiß-roter Fahne Aus dem Polnischen von Olaf Kühl Von Dorota Maslowska Mit Markus Meyer, Alexander Khuon, Maria Kwiatkowsky, Nicole Reitzenstein, Julia Hummer und anderen Bearbeitung und Regie: Antje Vowinckel DKultur 2006 Andrzej ist Pole, seine Freunde nennen ihn "Starker" und gerade hat ihn seine Freundin verlassen. Er betäubt sich mit Speed und flüchtigen Frauenbekanntschaften. Er irrt durch seine Stadt, trifft eine Menge schräger Typen, wie zum Beispiel die anthroposophisch angehauchte Satanistin Angela. Zudem herrscht in der Kleinstadt gerade Krieg mit den Russen: die werden für sämtliche polnischen Übel vom Wetter bis zum schlechten Tabak verantwortlich gemacht. Dorota Masowska entwirft das Porträt einer Generation junger Polen, die auf dem schmalen Grat zwischen Globalisierungskritik und unreflektiertem Nationalstolz balancieren. Dorota Maslowska, geb. 1983, polnische Autorin. Werke u.a. Schneeweiß und Russenrot (2004), Die Reiherkönigin. Ein Rap (2007), Liebling, ich habe die Katzen getötet (2015), Andere Leute (2019).

Freitag 22:05 Uhr Deutschlandfunk

Milestones

Albert King "I"ll play the blues for you" (1972) Am Mikrofon: Tim Schauen Es gibt zwei Songs des US-amerikanischen Gitarristen Albert King (1923-1992), die wohl jeder Bluesfan rückwärts mitpfeifen kann: "Born under a bad sign" und "I"ll play the blues for you" mit dem so markanten Lick, also einer Tonfolge oder Phrase. 1972 erschien der Song auf dem gleichnamigen Album "I"ll play the blues for you" beim Label Stax aus Memphis. Albert King gehört zusammen mit BB und Freddie King zu den drei Königen des elektrischen Blues, ohne mit ihnen verwandt zu sein, dabei stammt Albert King wie BB aus dem kleinen Örtchen Indianola im Mississippi-Delta. Als Linkshänder spielte er Gitarren für Rechtshänder, ohne die Saitenreihenfolge anzupassen, das macht es schwierig, seine Licks exakt nachzuspielen. Grund genug also, diesen Bluesklassiker erneut aufzulegen und in die Melange aus Blues und dem typischen Soul-Sound der Stax-Hausband einzutauchen.

Freitag 23:00 Uhr rbb Kultur

Musik der Kontinente

Moderation: Peter Rixen Global Sitar: Anoushka Shankar Dass man sich als Vertreter der klassischen indischen Musik nicht von außerindischen Einflüssen abschotten muss, hat ihr berühmter Vater Ravi Shankar (1920 - 2012) vorgelebt. Anoushka Shankar, selbst ebenfalls eine exzellente SitarSpielerin, setzt dieses Erbe fort und profiliert sich als eine musikalische Weltbürgerin von Format. Auf ihrem neuem Album gemeinsam mit dem renommierten niederländischen Metropole Orkest.

Freitag 23:30 Uhr NDR kultur

Jazz - Round Midnight

Tiefer Ton in höchster Höh" - Zum 100. Geburtstag von Oscar Pettiford Round Midnight ist der Platz für Hintergrundgeschichten, ausführliche Portraits und Talks mit jungen Talenten und Jazz-Legenden. In der Sendung erzählen Autorinnen und Autoren die Geschichten bekannter Jazz-Titel, gehen der Beziehung von Jazz und klassischer Musik nach und nehmen mit auf spannende Reisen in die Grenzgebiete von Jazz, Tango, Salsa oder Flamenco, in Jazz-Epochen wie Swing, Bebop und Fusion oder in die Geschichte berühmter Labels wie Blue Note und in die Aktualität kultureller und politischer Themen wie Black Lives Matter. Jazz - Round Midnight

Samstag 00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Lange Nacht

Ich weiß - du schwarz Eine Lange Nacht über Widerstand und Schwarze Selbstbefreiung Von Kerstin Kilanowski Regie: die Autorin Black Lives Matter - Widerstand gegen Unterdrückung und rassistische Willkür gibt es, seit der Europäer das Narrativ vom "Schwarzen" erfunden hat. Die Formen des Widerstands sind dabei höchst unterschiedlich: Ende des 18. Jahrhunderts führen in Haiti geheime Voodoo-Zeremonien und Sklavenaufstände zum ersten vom Kolonialismus befreiten Staat; in Zimbabwe ruft ein spirituelles Medium durch die Stimmen der Ahnen zum Krieg gegen die Kolonialherren auf. Intellektuelle wie der senegalesische Dichter und Präsident Léopold Senghor prägen den kulturpolitischen Begriff der Négritude. Der brillante Denker Frantz Fanon aus Martinique wiederum dekonstruiert schon in den fünfziger Jahren den Begriff "Rasse". Auch hinter einer scheinbar unpolitischen Bewegung wie dem modebesessenen Sapeurs in der Kolonie Belgisch-Kongo steckt der Wunsch nach Selbstermächtigung. In den USA stellen Schwarze Jazzmusiker und Blues-Ikonen den Hörgewohnheiten der weißen Mittelschicht radikale Klänge entgegen, denn in den sechziger Jahren gilt: "Black is Beautiful". James Baldwin dagegen verwehrt sich mit seinen Essays gegen jegliche Zuschreibungen und politischen Aktivismus mit der elementaren Einsicht: "I am not your negroe". Gefragt wird auch und immer wieder: Wer bestimmt, ab welchem Grad von Pigmentierung ein Mensch als schwarz gilt? Kann Hautfarbe und Haarstruktur Identität stiften? Oder führt sie zurück zu Kategorien von Rassifizierung? Achtung: Das N-Wort wird in den Originaltexten der Schwarzen Autoren als Selbstbezeichnung mehrmals vorkommen. Eine Lange Nacht mit Texten unter anderem von Frantz Fanon, Zora Neal Hurston, James Baldwin, Alain Mabanckou, Chenjerai Hove, Alejo Carpentier. Mit Musiken von Stella Chiweshe, Nina Simone, Archie Shepp, Billie Holiday, Grand Kalle, Leyla McCalla.

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